Herbstliche Entschleunigung - Pop Ambient 2018

Das Kompakt Label aus Köln setzt seine Pop Ambient Reihe fort. Ab sofort steht die 2018er Ausgabe zur Verfügung. Kurator Wolfgang Voigt hat wieder einmal eine Reihe handverlesener Tracks zusammengestellt, die einerseits alten Würdenträgern des Pop Ambient huldigen, aber auch Emporkömmlingen eine Chance geben.
Es stehen Beiträge von den Veteranen Max Würden und Thore Pfeiffer neben Tracks eines neuen Gesichts wie das des Japaners Yui Onodera, genauso wie Stücke eher genrefremder Künstler. Techno-Provokateur T.Raumschmiere steuert seinen Teil bei und auch der Mann an der Pedal Steel Guitar Chuck Johnson entwirft für Pop Ambient 2018 klangliche Räume.

Hallo Roberto, hallo Echo

Wenn ein Kölner Label einen Jungen aus Düsseldorf unter Vertrag nimmt, dann muss derjenige aber wirklich gut sein. Roberto Echo scheint's also drauf zu haben, wenn wir auch nicht verschweigen sollten, dass der junge Beatmaker ursprünglich aus Köln kommt.
Nun präsentiert Melting Pot Music also "Jamais vu", das Album von Roberto Echo, den niemand mit dem Reggae- und Dub-Recken Umberto Echo verwechseln sollte. Robertos Output liegt eindeutig im klassischen, sample-geprägten HipHop mit sehr viel Soul und Jazz. "Jamais vu" ist daher ein tiefenentpanntes, sehr feines, instrumentales Album geworden.
Wenn ihr dieses hört, arbeitet Roberto schon längst am zweiten Album, das konsequenterweise "Déjà vu" heißen wird.

www.soundcloud.com/robertoecho

Schlafanzug-Pop - Farewell Dear Ghost

"Neon nature" ist das zweite Album der östereichischen Indie-Popper Farewell Dear Ghost. Die Single "Pink noise" und das dazugehörige Video zelebrieren Haut und Haar und bequeme Bühnenoutfits.
Philipp Szalay und seinen Mitstreitern Alex Hackl, Andreas Födinger und Philipp Prückl sagt man Indiepop mit wohldosiertem Pathos nach, der auch die amerikanischen Kollegen von Nada Surf beeindruckte. So war Farewell Dear Ghost der Support für die US-Indierocker auf ihrer letztjährigen Europatour.
Das so schwierige zweite Album von den lieben Geistern, war für die Österreicher noch ein bisschen schwieriger. Vier Jahre vergingen seit dem Debüt und "Neon nature" ist ein wenig Neuerfindung der Band aufgrund vieler neuer Einflüsse wie beispielsweise einer China-Tour. "Neon nature" wurde daher ein facettenreiches Album und ist seit Oktober in den Regalen.

www.farewelldearghost.com

Auf Mission - Die Dschungel

dieschungel3Vier Jungs aus Berlin sind fest entschlossen, ihr Glück nicht in hippen, aber langweiligen Jobs zu suchen, die zwar Geld, doch keinen nennenswerten Verdienst bringen. Das Heil suchen Die Dschungel in der Musik. Weil sie uns etwas zu sagen haben? Nun ja, zumindest töten sie uns nicht den Nerv mit selbstreferentiellem, Songtext genanntem Geschwafel.
Zum kantigen Wort komponiert Die Dschungel passende Sounds hinzu. Das klingt zwischendurch nach 80er, mancher hört vielleicht etwas Wave von damals heraus, ein bisschen mehr Punk der andere. Es klingt nach Bunker und nach Straße. Es ist Westberlin für die 2020er!
Die Dschungel hat gerade eben die ersten Tracks in Umlauf gebracht, die den rauhen Charme von Demotapes besitzen.
Und wenn die Band in 10 Jahren auf der Welle des Erfolgs diese Aufnahmen wieder auflegt und euch für viel Silbergeld vertickt, kommt mir nicht geheult. Ich habe es euch gesagt.
Unbedingt hier reinhören: www.diedschungel.bandcamp.com

Kulahlah lali dum di dum - Schöne Kelela

Kelela hat Anfang Oktober ihren ersten Longplayer "Take me apart" veröffentlicht und man kann sagen, dass Fans und Fachpresse deswegen Kopf stehen. Die kommende US-Tour ist bereits ausverkauft und auch im Berliner Berghain ist mit Tickets schon Schicht. "Näher an die Zukunft kommt gerade keiner: Kelela macht sinnlichen, hyperdigitalisierten R’n‘B für das Jahr 2018", meint der Musikexpress und der Süddeutschen fiel "nach zwei- oder dreimaligem Hören auch auf, wie meisterlich dieses Album sequenziert ist."
Bisher war niemand der Meinung, dass nach dem ersten Mixtape vor vier Jahren der 2015-EP "Hallucinogen" auch anderes erwartbar gewesen wäre. Eine versponnere Art von R'n'B, der es nicht nötig hat, deutlich in Richtung Pop zu schielen von einer Künstlerin, die nicht dem Genrestandard folgen muss und nackte Haut als Verpackung des Albums benutzt. Ohne Frage muss sich die schöne Kelela nicht verstecken, aber benötigt jeder Track unbedingt noch einen extra Tacken Erotik? Ist das ein Verkaufsargument? Doch die Redakteure von Spiegel online schwärmen: "Ihr Körper, ihr Sex, ihre Blackness!" Weshalb also über Musik reden, wenn Kelela auch im neuesten Video zu "Blue light" lasziv den Reißverschluss nach unten gleiten lässt.
Und wenn man dabei nicht ins Stottern gerät, lernt man jetzt auch bei youtube, dass die Amerikanerin mit äthiopischen Wurzeln nicht (kihlihlah], sondern [kuhlahlah] heißt. Oder so. Kapiert?

 

Einmal Jamaica - Cuba und zurück

All diejenigen, die im Sommer zu "Despacito" abgegangen sind, finden sich bei dem heute erscheinenenden Album "Havana meets Kingston" sowieso wieder. Doch auch die anderen, die im Sommer Pickel bekamen, die nicht auf sommerliche Wärme zurück zu führen waren, können sich mit dem Werk des Produzenten Mista Savona womöglich anfreunden.
Denn "Havana meets Kingston" verbindet Naheliegendes: Sounds aus Kuba und Sounds from Jamaica. Eine fuchsige Idee, die die 16 Stücke des Albums trägt. Weil Mista Savona nicht nur schlau gemixt hat, sondern auch Artists aus beiden Ländern zum Mitmachen bewegen konnte.
Daher gibt es Höhepunkte wie "410 San Miguel", bei dem sich das Beste aus beiden Welten im Dub vereint und Altmeister Ernest Ranglin zudem noch Gitarre spielt. Latin Boss Reggae!
Vermutlich habe ich es verpasst, doch sicher war "Havana meets Kingston" bereits Sound Supreme bei Radio Cosmo. Falls nicht...unruhr meint: Absolut empfehlenswert!

www.havanameetskingston.com

Musik für den öffentlichen Dienst - Heavyball

Heavyball Acros 35 001032 EXPORTEs war längst überfällig. Endlich ein Album, für all diejenigen, die sich Tag für Tag ins Büro schleifen, um unsinnige Jobs zu machen, für die sie auch noch gehasst werden. Heavyballs neues Album "Where can you start?" erscheint morgen und thematisiert beispielsweise die Gefahren des übermäßigen Alkoholgenusses unter der Woche, wiewohl man doch weiß, dass nächsten Morgen der Wecker geht.
"Where can you start?" versetzt den Hörer in die Zeit zwischen Nato-Doppelbeschluss und Mauerfall, als die heutigen Sesselpupser baggy trousers trugen und lässige Madness zur Schau trugen. Eine Reminiszenz an seelige Zeiten des Two Tone, weshalb die vier Jungs aus Nottingham ihren Sound auch New Tone nennen. Das ist knallharte britische Musik, die aber schon mal nach den Beatles oder Elvis klingt. Herzschmerz-Musik für Ex-Checker. "Where can you start?" ist ein hintersinniges Album für vordergründigen Spaß, das wirbt für Urlaub bis zum Tod. Jetzt unbedingt hören!

www.heavyball.net

Punk, Welle, Drama, Schnaps - Prada Meinhoff

Ein Berliner Duo von Nicht-Berlinern. Das kennt man. Die Coolen aus Restdeutschland treffen sich in der Hauptstadt und machen manches Mal höchst interessante Dinge. So wie Prada Meinhoff. René Riewer am Bass, Christin Nichols an den Vocals und der Dramatik und viel Elektronik platzen geradezu aus den Boxen und zwingen zum schwitzenden Tanzen.

Irgendwann fühlt man sich an Die Neue Deutsche Welle erinnert. Ist es der Sound? Ist es der Look? Prada Meinhoff ist bombastisch spartanisch. Jetzt ist das Video zum neuen Song "Express" draußen. Holla!

www.facebook.com/pradameinhoff

Besoffen Fahrrad fahren - Yeah!

Swutscher ist ganz viel Bier & Bier & Rock'n'Roll und während ich das schreibe schütte ich Pils auf den Bildschirm. Swutschers schrullige Klampfen, ihren knarzigen Gesang und ganz viel Norddeutschland höre ich im Hintergrund. Die sechs Hamburger Jungs kombinieren Dittsche, Blues und Fifties Schlager. Kenner hören die frühe Phase von Element of Crime heraus. Ach Gottchen. Jetzt ist die "Wahnwitz" EP frisch auf dem Markt und Experten wittern Morgenduft. Beispiele gefällig? "Das Sextett spielt Rocksongs von trunkener Schönheit.“ (Hamburger Abendblatt) oder "Songs, die sich verschroben durch deine Ohrmuscheln fressen..."(prettyinnoise.de). Na also!

www.swutscher.de