Gemeinsam scheiße fühlen

Die Sounddatei zu "Manau" sortiert sich selbst in die Schublade dark pop. Nala Tessloff kategorisiert ihre Songs als Weltuntergangs-Soundtrack. Ihr solltet allerdings keineswegs auf Nalas Songs verzichten, weil ihr Angst vor schlechter Stimmung habt. Die Hamburger Künstlerin hilft euch da eher raus, weil es doch so schön ist, wenn man sich nicht allein schlecht fühlt. Wer kennt das nicht: "But everytime I try to face my mind, the world turns grey and I'm not okay."
"Manau" ist die neueste Veröffentlichung von Nala Tessloff. Den Track verziert ein schönes Synthie-Thema, begleitet durch eine angenehme bassline und gepflegte Gitarren. Es bleibt genügend Raum für Nalas Stimme, um die es sonst echt schade wäre.
Die Sängerin/Songwriterin, Komponistin und Performance-Künstlerin bereitet uns auf ihr düster-souliges Solo-Debüt vor, auf dem sich Einflüsse finden aus ihrer bisherigen Arbeit im Bereich Filmmusik, Hochkultur und Performancekunst. Es wir "Daydream" heißen und ab 01. März bereit stehen.

www.nalatessloff.com

Ich sah's kommen

Vor wenigen Wochen kündigte ich an dieser Stelle voller Hoffnung auf ein neues Album die neue Single von Alice Russell an. "Rain" erblickte nach Alices zehnjähriger Schaffenspause das Licht der Welt. Und bewies, dass Alice Russell eine wirkliche Soulgranate ist.
Alice legt nun mit "I see you" nach und kündigt damit das erhoffte Album an. "I see you" ist eine gediegene Pianoballade, die von einer verhallten Kickdrum begleitet wird. Alices Stimme steht voll im Raum und sehr persönliche Vocals runden das Bild zu einem gefühligen Soultune.
"I see you" ist nach "Rain" die zweite Veröffentlichung vom kommenden Album "I am", das irgendwann im April auf den Markt kommt. Auch als schönes, marmoriertes Vinyl. Ostern und Weihnachten an einem Tag!

www.alicerussellmusic.bandcamp.com

Der Mörder ist immer der Poolboy

Gia Ford ist Britin. Sie schafft es aber mühelos, mit ihrem neuen Song "Poolside" ein großes Stück Amerika zu transportieren. "Poolside" hört sich nach großem, amerikanischen Singer-Songwriter-Pop an mit einem percussiongleichen Schlagzeug und prägnanten Gitarren von flächig bis schneidig.
Irgendwie Westcoastsound, der allerdings konterkariert wird wird durch eine gewisse morbide Bitterkeit. Das liegt an der Geschichte, die uns Gia erzählt. Eine kleine, hübsche Parabel auf die leider immer noch existierende Ungleichheit zwischen Menschen im Licht und der Masse im Schatten: "In summer town where I'd love to watch you drown", bringt unsere spätkapitalistischen Auswüchse maximal poetisch auf den Punkt.
Ich hoffe inständig, dass Gia Ford ihr großes Talent, Songs zu schreiben, im neuen Jahr in ein umwerfendes, neues Album ummünzt.

www.instagram.com/gia__ford

 

Nicht deine Märchentante

Nanti möchte uns in eine Märchenwelt verführen. Aber man sollte sich nicht täuschen. Nanti gaukelt zwar arabische Exotik vor, haut dir aber knallharte Realität um die Ohren. "Sheherazade" ist der neueste Track der Frau, in dem sie - wie häufig in ihren Songs - Vorurteile benennt, Schwierigkeiten und Probleme beschreibt, von denen Menschen in Deutschland betroffen sind, die hier nicht ihre Wurzeln haben.
Wie wichtig diese Ansichten sind, ist allen Deutschen hoffentlich sehr bewusst, seit bekannt ist, dass brandstiftende Biedermeier sich in einer historischen Potsdamer Villa treffen, um Mappen mit alten und kranken Ideen aus verstaubten Schubladen zu ziehen.
Sind wir tatsächlich so bekloppt, diesen Ideen zu folgen und uns der Kreatitivität und dem kulturellen Input aus anderen Ecken der Welt zu berauben? Leute...
Nein, wir freuen uns auf die kommende, zweite EP von Nanti. Die kommt am 26. Januar. Einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag.

www.instagram.com/nanti.office

Das ist sein Gelb wert

Shyguy beginnt das Jahr mit super entspannten low-fi sounds, die alles bieten zwischen Soul, HipHop, Jazz und Pop. Auf dem kommenden Debütalbum werden Saxofon, Querflöte, und groovige Gitarren begleitet von ultratrockenen HipHop Drums. Das verschmilzt zu einem coolen Gesamtsound, der nicht beim Fußwippen hängenbleibt.
Das Duo aus Nottingham hat eine lange, gemeinsame Geschichte. Bereits in der Schule lernten sich Jackson Goodwin and Joe Digioia kenne. Und seitdem ist bereits einige Zeit ins Land gezogen. Die beiden haben seit damals sehr unterschiedliche Einflüsse in sich aufgesogen, die von Erykah Badu und Prince bis Damon Albarn un Green Day reichen.
Demnächst erscheint nun das Debütalbum "Wait, what. Now?" von Shyguy. Den Termin kennen wir noch nicht, aber wir werden euch rechtzeitig darauf hinzuweisen. Das Album ist einfach zu gut, um es zu verpassen.

www.instagram.com/weareshyguy

 

Brennt heißer als vier Kerzen

Es ist kurz vor Weihnachten und zum Glück passiert jetzt noch was, bevor die kollektive Seligkeit Einzug hält in deutsche Wohnzimmer. Die Reggaekombo Schwarzpaul legt uns ein neues Album unter den Tannenbaum. Praise JahJah!
Nun vibriert der Baum in wummernden Basslines, wird geschüttelt durch drängende Drums, fast zersägt von griffigen Gitarren und: Hallelujah! Die Orgel orgelt ordentlich! Schöne Weihnachten, die uns die Dortmunder Band damit beschert. Schwarzpaul kombiniert auf "Messer aus Holz" Teile von Roots und Steppers aus den Heydays des Reggae mit rezenten Popeinflüssen in einem höchst aktuellen Mix, den der Deutsche Meister an den Reglern - Umberto Echo - abgemischt hat.
Und wenn es mal ein wenig popseicht zu werden droht, hauen die Jungs mal eben sehr gelungene Dubmixe raus, die einerseits als ausgedehnte dubwise parts in den Songs auftauchen oder dreimal auch als eigenständige Dubs. Das macht richtig Spaß. Für Reggae-Begeisterte sowieso, aber sicher auch für Offbeat-Unbelastete.
Nach 10 Tracks hat man richtig Lust auf repeat. Von wegen Stille Nacht.

www.schwarzpaul.info

Reggae-Renaissance

Die Reggae-Community befindet sich in nervöser Unruhe. Seit der der Veröffentlichung des neuen Albums von Samory I vernimmt man ein vielstimmiges Raunen im offbeat-geprägten Musikzirkus.
Samory I ist zwar kein Unbekannter mehr seit er 2015 sein Debüt "Black gold" veröffentlichte. Aber nun gehört ihm ungeteilte Aufmerksamkeit. Das neue Album "Strength" entstand in Zusammenarbeit mit Winta James. Der Produzent James ist ein musikalisches Schwergewicht in Jamaica und hat Samory I mit "Strength" ein Werk auf den Leib geschneidert, das den Roots Reggae weiter entwickelt, aber mit einem sehr feinen Gespür für die Wurzeln dieses einst wichtigsten Reggae-Genres.
Die 11 neuen Tracks sind ganz fetter Sound mit Anleihen bei R&B, Soul und HipHop, in dem jedoch viel Platz ist für das Gute von Gestern. Und deshalb preist die Fachwelt das Album als Wiedergeburt des Roots Reggae. Die Aufregung erinnert an das Auftauchen von Garnett Silk in den 90ern. Damals galt dieser als neuer Bob Marley. Davon redet bei Samory I niemand. Noch nicht. Aber hey: "Strength" entstand im legendären Marley-Tonstudio Tuff Gong in Kingston. Doch nicht jeder, der eine Kirche bemalt, ist da Vinci. Wenn ihr also die Auferstehung des Roots feiern wollt, seid zunächst einmal vorsichtig mit eurem Hallelujah.

www.samoryi.bandcamp.com

 

Gott, lass es regnen

alice russellMan hat sie fast vergessen. Schließlich ist es bereits 10 Jahre her, dass Alice Russell mit ihrer großartigen Stimme das letzte Mal um die Ecke kam. Inzwischen ist viel passiert im Leben von Alice. Sorge um die alten Eltern und Freude mit dem eigenen Nachwuchs.
Jetzt ist die Britin zurück mit neuem Material. "Rain" ist der erste Song nach so langer Zeit und fest steht: Alice Russell hat nichts verlernt."Rain" ist ein Soultune zum Dahinschmelzen mit einer bluesigen Gitarre und sentimentalen Vocals. Der Track entstand in Zusammenarbeit mit TM Juke, ihrem langjährigen, musikalischen Partner, der ihr die auditive Intimität auf den Leib geschneidert hat.
Ich vermute und hoffe mit Inbrunst, dass "Rain" der Auftakt ist für ein demnächst erscheinendes, neues Album von Alice Russell.

www.tru-thoughts.co.uk/artists/alice-russell

Foto: TILT

Wellenreiten

Es ist schon lange kein Trend mehr, es ist tatsächlich eine erneute Welle. Die Begeisterung junger Bands für den Sound des Deutschlands der Achtziger ebbt nicht ab. Ein weiteres Beispiel sind Nobis und Absteige, die sich für die neue Single "Vorschlaghammer" zusammen getan haben.
Es ist ein schönes Stück gelungenen Wave-Sounds mit sphärischen Synthies, schwingenden Gitarren und Gesang, der die historischen Vorbilder aufleben lässt."Vorschlaghammer" haut den Hörer nicht um wie beispielsweise der Klassiker "Eisbär". Der Song reproduziert aber gekonnt die damalige Stimmung aus Tristesse, Wut und Aufbruch.
Also Achtung: Die neue Neue Deutsche Welle kommt mit Wucht!

www.instagram.com/nobis.nobilis
www.instagram.com/absteigeabsteige

This is Lily tara tata

Nach den beiden ersten EPs "Last flight out" und "Lost in London" ist Tara Lily nun bei Tru Thoughts untergekommen. Das allein spricht bereits für die musikalische Qualität der jungen Frau aus dem Süden Londons. Mit "Double time" veröffentlichte Tara zu Beginn der Woche die erste Single beim neuen Label und rechtfertigt mit diesem Song ihren guten Ruf.
"Double time" wurzelt ganz tief in der UK Rave Szene und zitiert Breakbeat, Jungle und Drum'n'Bass. Diese Basis ergänzt Tara Lily allerdings mit musikalischen Einflüssen des indischen Subkontinents. Der neue Song und das in Indien gedrehte Video bewegen sich dadurch im Bereich globaler Sounds und rücken somit etwas ab vom bisherigen Output Taras, der eher im R&B und Jazz lag.
Wir behalten sehr genau im Auge, in welche Richtung Tara Lilys Liaison mit Tru Thoughts noch führen wird.

www.taralilymood.com