Weißes Fleisch und viel Spinat aus Castrop

Soll ich das glauben, das der Fleischberg aus Castrop-Rauxel ein vorzeigbarer Romantiker ist? Töppel Butera veröffentlicht pünktlich zum Valentinstag den neuen Clip voller roter Rosen, Herzschmerzen und Feierfeuerwerken. Eine unglaubliche Geschichte auf einem Schrottplatz im Ruhrgebietsnorden. Nee, dat glaubse nich.
Allerdings ist es der typische Töppelsound. Unverkennbar. Reggae ausm Ruhrgebiet mit Posaunen, vor denen schon die Mauern von Jericho erzitterten. Töppel haut sein Gebiss in Evas Apfel und sorgt dafür, dass wir so gar nicht in einen sauren Granny beißen müssen. Ker, ist dat schön. Da kann man tatsächlich vor Glück nicht schlafen.

www.toeppelbutera.de

 

Anders hält man's nicht aus, oder?

Das ist ein Kunststück. Spaß und Ernsthaftigkeit zu verbinden, Party und Meinung in Einklang zu bringen. Blinker schafft das offensichtlich mit links. Der Ex-Punker verbindet ganz feinen Indie-Pop mit gewitzten, deutschen Texten.
Jetzt steht die neue EP kurz vor der Veröffentlichung. "Blitz" wird in Kürze bei Spinnup erscheinen. Vorab gibt es jetzt bereits die Single "Wegen Drogen", in der Blinker die richtigen Fragen stellt. Wie beispielsweise "Sind es die Substanzen oder wir?". Dazu ein wahnsinnig partytauglicher Sound, der durch Beschränkung auf das Wesentliche überzeugt. Ist Blinker nicht ein richtig guter Songschreiber und Performer? Solltet ihr rausfinden.

www.instagram.com/blinkermusik

Die Soundschrauber von Swutscher

Ihr Zuhause ist die Kaschemme. Ihr Sound ist der aus der Garage. Wir haben Swutscher lieben gelernt seit ihrem Debüt-Album "Wilde deutsche Prärie". Nun hauen die Hamburger Komasäufer das nächste Ding raus. Am Ende der Woche erscheint die neue EP "Senf". Eins der vier Stücke auf der EP ist "Auf Achse", mit Remininszenzen an die Erfahrungen der letzten Tour.
"Auf Achse" ist ein rockiger Swutschersong, der alles hat von Gunter Gabriel bis Marius Müller-Westernhagen. Und wenn die Jungs den Refrain grölen, hört sich das an wie "wir sind erwachsen". Aber nein, das kann nicht sein, ganz und gar nicht...

www.swutscher.limitedrun.com

Scheiß auf Gefühle

Grammys und Emmys säumen seinen Weg, er ist eine Koryphäe des R'n'B. Jetzt hat Robert Glasper seine Beziehungen spielen lassen, sein musikalisches Netzwerk aktiviert und für zwei Tage die Henson Studios in Los Angeles gebucht. Viele folgten seinem Ruf dorthin und so entstand unter Mithilfe von Herbie Hancock, Bilal, Yebba, Queen Sheba und so vielen mehr in diesen zwei Tagen Glaspers neues Mixtape "Fuck yo feelings".
Jazzer und andere Intellektuelle können sowas, den kreativen Prozess bündeln und gezielt zum Abschluss bringen. "Fuck yo feelings" ist also eine gigantische Jam-Session, die alles enthält von Hip Hop über Jazz bis hin zu experimentellen Klängen. Für Robert Glasper ist Black Music ein großes Haus, in dem er einfach von Zimmer zu Zimmer geht.

Diesem Hausrundgang wird nicht jeder bedingungslos folgen können, wer sich aber von unwichtigen Einrichtungsgegenständen nicht ablenken lässt, wird mit interessanten Einblicken in alle Winkel des Hauses belohnt. 19 Zimmer hat das Gebäude mit dem Charakter eines Schlosses. Und jedes Zimmer mit Ausblick auf die ganz edlen Gewächse der Black Music im Garten.

www.robertglasper.com

 

Squarepushers Electro im Obi-Sound

Für die Arbeit an seinem neuen Album setzte Squarepusher aka Tom Jenkinson nach vielen Jahren erstmals wieder auf diejenige digitale und analoge Hardware, mit der er in den frühen Neunzigern seinen Sound definiert hatte. Die Verwendung von Vintage-Synthesizern und Effekten markiert eine radikale Kehrtwende für den Briten, der auf dem zuletzt veröffentlichten Damogen Furies-Album noch komplett auf die neueste Software gesetzt hatte.
So knarzt und scheppert es auf "Be up a hello" ganz gewaltig. Das ist astreine Heimwerkerarbeit, die an die Ekstase, Ausgelassenheit und Hemmungslosigkeit von Raves der frühen Neunziger erinnert.

Dann also Pillen rein, Hörgeräte raus und Party!

www.squarepusher.net

Aus den Wäldern

Tara Nome Doyle ist gebürtige Berlinerin. Hat ihre Wurzeln aber in Irland und Norwegen. Und gerade das Skandinavische scheint einen hörbaren Einfluss auf ihr Debütalbum "Alchemy" gehabt zu haben. Da ist diese Mystik dunkler Wälder und langer Nächte, in denen Elfengesang aus den hohen Wipfeln klingt.
Tara bietet neun intensive Songs an, die mit Tiefgang nicht geizen. Nein, keine Tanzmusik, aber auch kein esoterischer Singsang. Es kann auch mal ein ganz klein wenig zur Sache gehen wie bei "Transmutation", aber immer bleibt eine gewisse Introvertiertheit der Songs. Gespickt mit guten Sounds dominiert bei den Tracks doch die Kraft der Stille.
Ein Album für vertiefte Momente.

www.taranomedoyle.com